In Deckung: Gaming-Sicherheit ist ein echtes Battle Royale

Tricia Howard

Verfasser

Tricia Howard

July 31, 2024

Tricia Howard

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Tricia Howard

Tricia Howard is an artist gone rogue who ended up in cybersecurity research. With a bachelor’s degree in theater arts and interests ranging from “Star Wars” to opera, she likes to bring a bit of pizzazz into the cyber realm. When she’s not helping researchers get their stories out efficiently and effectively, without denigrating the technical acumen of the piece, you can find her writing and performing security parody songs; dramatically reading cold emails; speed jigsaw puzzling; hanging out with her Pomsky dog, Darth; and begging people to smile. You can also catch Tricia live on her monthly show: Monthly Threat Brief: The SIG Download!

Datenanalyse von Camila Cabrera Camacho
Lektorat von Maria Vlasaak
Besonderen Dank an Chris Finch, Alan Evans, Dan Greer, Ken Eaton und Todd Loewenstein für ihr Fachwissen

Neben den Cyberherausforderungen, die direkt durch Multiplayer-Spiele bedingt sind, steht die Gaming-Branche auch all den anderen weltweiten Sicherheitsherausforderungen gegenüber.
Neben den Cyberherausforderungen, die direkt durch Multiplayer-Spiele bedingt sind, steht die Gaming-Branche auch all den anderen weltweiten Sicherheitsherausforderungen gegenüber.

Die Gaming-Branche ist wohl eine der einflussreichsten Branchen unserer Zeit. Mit 2,58 Milliarden Gamern weltweit und einem geschätzten Wert von 184,4 Milliarden US‑Dollar wird diese gigantische Branche mit kommenden, technologieaffinen Generationen nur noch weiter wachsen. In dieser dreiteiligen Blogreihe untersuchen wir die wunderbare Welt der Videospiele aus verschiedenen Perspektiven.

🔒 In diesem Eröffnungsbeitrag konzentrieren wir uns auf Sicherheitsherausforderungen und besprechen die Daten der letzten 18 Monate (Januar 2023 bis Juni 2024).

👾 In unserem zweiten Beitrag werfen wir einen Blick in die echte Welt und besprechen die Menschen hinter den Videospielen (auf beiden Seiten des Bildschirms).

☁️ Unser dritter und letzter Beitrag schließt die Serie mit einer technischen Betrachtung cloudverteilter Videospiele ab.

Unzählige Herausforderungen für Sicherheitsexperten

Einer der interessantesten Bereiche der Gaming-Branche ist ihre besondere Sicherheitslage: Cyberbedrohungen lauern an jeder Ecke – sowohl für Spieler als auch für Entwickler. Gamer sind meist technisch versierter als Durchschnittsverbraucher in anderen Branchen. Dadurch ergibt sich eine „Insider-Bedrohung“ in der Gaming-Welt, die über das Netzwerk oder direkt aus der digitalen Realität zuschlagen kann. 

Die Branche weist zudem ein besonderes Angreiferprofil auf: die Unruhestifter. Ein Streamer sagt etwas, das ihnen nicht gefällt, und schon entwickeln Unruhestifter einen Bot und der Stream geht offline. Unruhestifter können Vertrauen aufbauen, indem sie vorgeben, ein Verbündeter im Spiel zu sein und dann schädliche Payloads oder URLs über die Chatfunktion bereitstellen.

Die Licht- und Schattenseiten einer technikaffinen Zielgruppe

Die Gaming-Branche schätzt Offenheit und Zusammenarbeit zwischen Spielern. Die technischen Herangehensweisen stehen jedoch allzu oft im Widerspruch zu den Sicherheitsbedenken. Einige Verhaltensweisen, die im Sicherheitsbereich als verdächtig oder sogar als schädlich angesehen werden, sind in der Gaming-Branche nicht nur alltäglich, sondern werden sogar aktiv gefördert. Beispielsweise ist Modding ein integraler Bestandteil der Gaming-Kultur und auch Bots werden in einigen Fällen als Bestandteil des Gameplays betrachtet.

Die Sicherheits-Community weiß nur allzu gut, dass dieselben Taktiken, Techniken und Vorgehensweisen, die der Gaming-Community ihren Charme verleihen, auch für böses Spiel eingesetzt werden können. Das Venn-Diagramm zeigt eine Überschneidung zwischen Menschen, die am Spielen selbst interessiert sind und Spielern mit dem technischem Know-how, das sowohl Regelbrüche als auch technische Entdeckungen ermöglicht.

Auch die Ziele von Angreifern im Gaming-Bereich können sich von anderen Branchen unterscheiden – und diese Unterschiede schlagen sich in den Angriffstrends nieder. Wo außer in der Gaming-Welt kann man in zwei verschiedenen Realitäten Währungs-Bots einsetzen – und das sogar gleichzeitig?

In diesem Blogbeitrag diskutieren wir die Sicherheitsherausforderungen in der Gaming-Branche, die wir in den letzten 18 Monaten beobachtet haben.

Online und offline „looten“

Neben den Cyberherausforderungen, die direkt durch Multiplayer-Spiele bedingt sind, steht die Gaming-Branche auch all den anderen weltweiten Sicherheitsherausforderungen gegenüber. Viele Angreifer sind bekanntermaßen durch finanzielle Anreize motiviert, was die Gaming-Branche zu einem attraktiven Ziel macht. 

Cyberbedrohungen sind nicht immer technisch (wie wir nur zu gut wissen!) und schädliches Verhalten ist nicht nur auf Angreifer zurückzuführen. Gezielte Werbung in Mobile Games wird teils als schädlich oder sogar unethisch betrachtet, obwohl sie legal ist. Dies trifft natürlich auf Werbung im Allgemeinen zu und beschränkt sich nicht auf die Gaming-Branche. Unabhängig von ihrer Absicht beeinflussen die gezielten Werbeanzeigen die Ausgabegewohnheiten der Spieler, was wiederum Einfluss darauf hat, wo Cyberkriminelle als Nächstes zuschlagen.

Abonnements

Gaming-Unternehmen können für die Entwicklung eines Erfolgstitels mit Ausgaben in Millionenhöhe rechnen, die letztendlich von den Verbrauchern aufgefangen werden müssen. Der Preisanstieg von 60 auf 70 USD pro Titel ist erheblich und kann die Entscheidung preisbewusster Gamer beeinflussen, ob und wann ein Spiel gekauft wird, insbesondere angesichts der zahlreichen verfügbaren Abonnementdienste.

Wie auch bei anderen Medienangeboten sind Abonnementdienste in der Gaming-Welt vorherrschend. Allein durch die überwältigende Anzahl der Spiele auf dem Markt ist es finanziell unmöglich, alle zu erwerben. Einschließlich Mobile Games gibt es heute mehr als ein Dutzend Gaming-Abonnementdienste, die alle um einen Anteil an diesem 11,7 Milliarden US‑Dollar schweren Markt kämpfen.

Angriffsmathematik

Aus quantitativer Sicht bedeuten mehr Abonnementdienste = mehr Benutzerkonten = mehr Möglichkeiten für Credential Stuffing oder Kontomissbrauch. Mit einer höheren Anzahl an Marken gibt es mehr Inhalte, die von Angreifern nachgeahmt werden können, um Phishing-Kampagnen oder andere Betrugsversuche zu unternehmen.

Abonnementverdrossenheit ist ein reales Problem und kann teuer werden. Es besteht auch ein Problem durch begrenzten physischen und virtuellen Speicherplatz, das berücksichtigt werden muss.

Layer-7-DDoS-Angriffe nehmen zu

DDoS-Angriffe (Distributed Denial-of-Service) auf Layer 7 haben im Jahresvergleich um 94 % zugenommen. Die Angriffszahlen sind weiterhin hoch: In vier der 18 beobachteten Monate (Juni, August und Dezember 2023 sowie Mai 2024) wurden pro Monat jeweils mehr als 25 Milliarden Layer-7-DDoS-Angriffe verzeichnet (Abbildung 1).

Gaming: Monatliche Layer-7-DDoS-Angriffe Abb. 1: Layer-7-DDoS-Angriffe nach Monat

Von Januar bis März 2023 wurde mit jeweils weniger als 15 Milliarden Angriffen pro Monat die geringste Anzahl an Angriffen auf Layer 7 verzeichnet. Der Aufwärtstrend dieses Vektors verläuft rasant: Der Rückgang im Februar 2024 mit mehr als 19 Milliarden Angriffen stellt die bisher niedrigste monatliche Angriffsanzahl im Jahr 2024 dar. Trotzdem ist diese Zahl immer noch höher als die Anzahl der Angriffe in den Monaten Januar, Februar, März und April 2023.

Die APJ-Region verzeichnet mit Abstand die meisten Layer-7-Angriffe

Die Region Asien-Pazifik und Japan (APJ) verzeichnete 2023 den weltweit höchsten Umsatz der gesamten Gaming-Branche (85,8 Milliarden US‑Dollar) und die 179 Milliarden Spieler in dieser Region machen etwa 23 % der weltweiten Gamer-Community aus. Damit hat die APJ‑Region enormen Einfluss auf die globale Gaming-Branche.

In diesem Jahr hat die APJ-Region mit 186 Milliarden Angriffen in den letzten 18 Monaten die meisten Layer-7-DDoS-Angriffe verzeichnet (Abbildung 2). 

Gaming: Layer-7-DDoS-Angriffe nach Region Abb. 2: Layer-7-DDoS-Angriffe nach Region vom 1. Januar 2023 bis zum 30. Juni 2024

Gute Zeiten für Botanfragen

Bots stellen stets einen bedeutenden Sicherheitsaspekt dar und sind in nahezu allen Branchen verbreitet. Doch die Ziele eines Botnet-Entwicklers in der Gaming-Branche können sich erheblich von denen in der Finanzbranche oder anderen Bereichen unterscheiden. Hierbei kann uns die Funktionalität, die ein Bot erfüllen soll, viel über den Botnet-Entwickler verraten.

Die Jahreszeit ist ein weiterer Faktor für das Angreiferverhalten. Die folgenden Zeiten scheinen besonders anfällig für Botanfragen zu sein.

Januar und Juni

Botanfragen haben zwischen Q1 2023 und Q1 2024 um 391 % zugenommen. Und diese Marke wurde schon früh erreicht: 2024 begann mit einer Rekordzahl an Botanfragen in der Gaming-Branche: 147 Milliarden in nur einem Monat (Abbildung 3).

Gaming: Monatliche Botanfragen Abb. 3: An Spiele gerichtete Botanfragen nach Monat

Im Juni erreichte die Angriffsanzahl 145 Milliarden, was den Januar übertraf und die Zahlen aus dem Juni 2023 mehr als verdreifachte. Um diese Zahlen in Relation zu setzen: Während des gesamten Beobachtungszeitraums wurden in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) nur 59 Milliarden Botanfragen verzeichnet (Abbildung 4).

Gaming: Botanfragen nach Region Abb. 4: Botanfragen nach Region in den letzten 18 Monaten

Sommer und Winter

Da der Steam Summer Sale jedes Jahr im Juni und Juli stattfindet, kommt es in diesen beiden Monaten wahrscheinlich weiterhin zu hohem Bot‑Traffic. Diese Theorie wird durch einen ähnlichen Trend in den Monaten Dezember 2023 und Januar 2024 untermauert – da findet der Steam Winter Sale statt. Zusätzlich wird die Theorie durch die Tatsache gestützt, dass die meisten Botanfragen aus Nordamerika stammten (845 Milliarden).

Diese beiden Zeiträume (Juni/Juli und Dezember/Januar) zeigen tendenziell eine erhöhte Online-Aktivität und hohe Ausgaben, was sie auch zu lukrativen Zeiten für Angreifer macht. Sowohl Gamer selbst als auch Spieleunternehmen sind in diesen Zeiträumen besonders stark von digitalen Angriffen betroffen.

Angriffe auf Web Application Firewalls

Webangriffe in Spielen nahmen zwischen Q1 2023 und Q1 2024 um 94 % zu. Der stetigste Anstieg wurde hierbei bei WAF-Angriffen (Web Application Firewall) verzeichnet. Nach dem dramatischen Rückgang im Mai 2023 ist ein relativ konstanter Aufwärtstrend von Monat zu Monat zu verzeichnen. Im Juni 2024 liegt derzeit der Höchstwert bei 1 Milliarde (Abbildung 5). 

Gaming: Monatliche WAF-Angriffe Abb. 5: WAF-Angriffe auf die Gaming-Branche nach Monat

Mai und Juni 2024 verzeichneten im Vergleich zum Vorjahr erhebliche Anstiege von 451 % und 504 %. Wir gehen davon aus, dass diese Zahlen mit zunehmender Anwendungs- und API-Nutzung weiter steigen werden. 

Zusammenfassung: Herkömmliche Webangriffe

Wenn man diese Zahlen weiter aufschlüsselt und ausschließlich herkömmliche Webangriffe berücksichtigt, darunter SQL-Injection (SQLi), Command Injection (CMDi), Local File Injection (LFI), Cross-Site Scripting (XSS), Remote File Inclusion (RFI) und Server-Side Request Forgery (SSRF), erkennt man, dass SQLi mit über 700 Millionen Angriffen im beobachteten Zeitraum die größte Web-Bedrohung für die Gaming-Branche darstellt (Abbildung 6). Doch das gilt nicht nur für Gaming-Unternehmen: SQLi kann auch Gamer selbst treffen, indem sie Leaderboards manipuliert.

Gaming: Die fünf wichtigsten herkömmlichen Webangriffsvektoren Abb. 6: Herkömmliche Webangriffe in Spielen nach Typ

LFI ist in den letzten Jahren branchenübergreifend stetig angestiegen. Dies kann zu anderen webbasierten Angriffen (wie XSS) und in einigen Fällen zur Remoteausführung von Code führen. Gaming-Unternehmen sollten dies unbedingt berücksichtigen.

SQLi war nicht nur die häufigste, sondern auch die unregelmäßigste Bedrohung, passend zu den Eigenschaften von Spielen. Abbildung 7 zeigt eine monatliche Aufschlüsselung der Zahlen aus Abbildung 6. Der SQLi-Trend ist so schwindelerregend wie ein ruckeliges First-Person-Spiel.

Gaming: Monatliche Webangriffe Abb. 7: Herkömmliche Webangriffe auf Spiele nach Monat

Im ersten Quartal 2023 wurden zahlreiche Spiele veröffentlicht, die noch Teil des Backlogs aus der Coronapandemie waren. Die pandemiebedingte Verschiebung von Veröffentlichungsterminen steigerte die Nachfrage und trug somit wahrscheinlich zu einem Anstieg von SQLi-Angriffen in diesem Zeitraum bei. Der sporadische Charakter von SQLi könnte auch auf die unterschiedlichen Ziele der Angreifer hindeuten.

Die Anzahl der Webangriffe in Nordamerika erreicht eine völlig andere Dimension

Der enorme Unterschied zwischen einer Million und einer Milliarde ist nur schwer greifbar. Jedoch übersteigt die Differenz zwischen 332 Millionen und fast 9 Milliarden dies bei Weitem. Dies ist die Kluft zwischen der Anzahl der Webangriffe in der EMEA- und APJ-Region im Vergleich zu Nordamerika zwischen dem 1. Januar 2023 und dem 30. Juni 2024 (Abbildung 8).

Gaming: Webangriffe nach Region Abb. 8: Webangriffe nach Region zwischen dem 1. Januar 2023 und dem 30. Juni 2024

Abschließende Überlegungen

Gaming und andere Genres, die mit Vorliebe Nerds ansprechen, inspirieren auch zu Innovationen in der echten Welt, sowohl auf Mikro- als auch auf Makroebene. Von Cosplay bis hin zu selbstfahrenden Autos: Die Gaming-Community hat einige digitale Luxus- und Lifestyle-Trends zum Leben erweckt.

Je digitaler unser Leben wird, desto wertvoller werden durch Gaming erworbene Fähigkeiten, die auch positiven Einfluss auf Ihre Karriere haben können. Denn Videospiele erfordern ein Maß an Neugier und Problemlösungskompetenz, das sich auf den Erfolg am Arbeitsplatz übertragen lässt. Und sowohl Unternehmen als auch Universitäten erkennen diese Tatsache und handeln entsprechend.



Tricia Howard

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Tricia Howard

July 31, 2024

Tricia Howard

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Tricia Howard

Tricia Howard is an artist gone rogue who ended up in cybersecurity research. With a bachelor’s degree in theater arts and interests ranging from “Star Wars” to opera, she likes to bring a bit of pizzazz into the cyber realm. When she’s not helping researchers get their stories out efficiently and effectively, without denigrating the technical acumen of the piece, you can find her writing and performing security parody songs; dramatically reading cold emails; speed jigsaw puzzling; hanging out with her Pomsky dog, Darth; and begging people to smile. You can also catch Tricia live on her monthly show: Monthly Threat Brief: The SIG Download!