Wichtige Erkenntnisse
- Während KI-gestützte Shopping-Tools und autonome Agenten das Kundenerlebnis verbessern, sorgen sie gleichzeitig für eine Explosion hochkomplexer, automatisierter Angriffe auf Handelsunternehmen.
- Vor allem im Einzelhandel stieg der KI-Bot-Verkehr 2025 um 19 % im Vergleich zum Vorjahr.
- Angreifer nutzen intelligente Storefront-Funktionen aktiv aus, indem sie die Logik von Chatbots manipulieren, Prompts in Backend-KI-Agenten einschleusen und sich an KI-Token bedienen, was die Infrastruktur stark belastet.
- Die Handelsbranche verzeichnete zwischen 2024 und 2025 mehr als 200 Milliarden Anwendungs- und API-Angriffe sowie fast drei Billionen Layer-7-DDoS-Attacken (Distributed Denial-of-Service), wobei der Großteil dieser Aktivitäten auf den Einzelhandel entfiel.
- Um die agentischen Storefront zu schützen, müssen CISOs über die klassische Netzwerksicherheit hinausgehen und eine mehrschichtige Strategie umsetzen, die leistungsstarkes Bot-Management, kontinuierliches API-Mapping, strenge Mikrosegmentierung und risikobasierte Authentifizierung umfasst.
Agentische KI transformiert nicht nur den Onlinehandel, sondern auch die Bedrohungen, denen die Branche ausgesetzt ist. Da Interaktionen zwischen Marken und Verbrauchern zunehmend automatisiert werden, ist die Unterscheidung zwischen legitimem Kundentraffic und böswilliger Ausnutzung komplexer – und entscheidender – denn je.
In den drei Jahren, seit unser SOTI-Sicherheitsbericht (State of the Internet) zuletzt den Handelssektor untersuchte, hat der Aufstieg KI-gestützter Shopping-Tools, autonomer Agenten und agentischer E-Commerce-Anwendungen das Umfeld grundlegend verändert: Einerseits wurde das Kundenerlebnis verbessert, andererseits haben schädliche Aktivitäten explosionsartig zugenommen – von DDoS-Angriffen auf Anwendungsebene über KI-Bots bis hin zu ausgeklügelten neuen Phishing-Techniken.
Neue Studien zu Bedrohungen im Handel
Wir beleuchten diesen kritischen Trend im neuen SOTI-Sicherheitsbericht Schutz agentischer Storefronts: Angriffe auf den Handelssektor.
Dieser Bericht untersucht, wie dieser Wandel die Bedrohungslandschaft verändert hat – und welche Maßnahmen Handelsunternehmen ergreifen können, um ihre digitalen Storefronts zu schützen.
Experteneinblicke
Der Bericht beginnt mit Gastbeiträgen zweier Experten, die die Sicherheit im Handelssektor untersuchen:
- Pam Lindemoen, Chief Security Officer und Vice President of Strategy beim Retail and Hospitality Information Sharing and Analysis Center (RH-ISAC), erläutert, wie agentischer Handel die Betrugstaktiken grundlegend verändert. Sie untersucht, wie Shopping-Bots für schädliche Zwecke missbraucht werden können, warum Treuepunkte die neue Schattenwährung sind, warum synthetischer Identitätsbetrug zugenommen hat und warum Unternehmen auf ein aktives, kontinuierliches Sicherheitsmodell umsteigen müssen, mit dem sie schneller von Informationen zu Maßnahmen gelangen.
- Mani Sundaram, Executive Vice President und General Manager der Security Technology Group bei Akamai, beleuchtet, wie CISOs in der heutigen Wirtschaft mit autonomen Agenten „agentische Bereitschaft“ erreichen können. Nachdem er die besonderen Herausforderungen der Handelsbranche vorgestellt hat, bespricht Mani wichtige Sicherheitsprioritäten und erklärt, wie wichtig es ist, sich nicht allein auf klassische Netzwerksicherheit zu verlassen, und warum Unternehmen ein integriertes Situationsbewusstsein benötigen.
Angriffe auf den Handel nehmen zu und entwickeln sich weiter
Der SOTI-Bericht basiert auf der neuesten Analyse aktueller Trends in der Handelsbranche und enthält zahlreiche wichtige Erkenntnisse, darunter:
- Automatisierter Bot-Traffic nimmt stetig zu.
- Hacktivisten führen Angriffe mit mehreren Vektoren durch.
- Chatbots, Agenten und Token schaffen neue Schwachstellen.
- Webangriffe lassen nicht nach.
- Der Handel ist am stärksten von Layer-7-DDoS-Angriffen betroffen.
Automatisierter Bot-Traffic nimmt stetig zu
Der Handel ist nach wie vor die Branche, die am stärksten von KI-Bot-Aktivitäten betroffen ist. Wir haben im Jahr 2025 einen Anstieg von 19 % gegenüber dem Vorjahr beobachtet, wobei der Einzelhandel den größten Anteil ausmachte – und die Akamai-Forscher gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.
Zwar können Bots und Webcrawler hilfreich sein, um Kunden mit E-Commerce-Websites zu verbinden, doch die Fähigkeit von KI-Bots, Kundeninteraktionen nachzuahmen, kann potenziell zu Missbrauch führen.
Die Daten deuten zudem auf einen sprunghaften Anstieg von Browser-Imitationen hin. Diese automatisierten Bots ahmen legitime Webbrowser nach, um beim Scraping der Erkennung zu entgehen. Und das ermöglicht es ihnen, Betrug oder DDoS-Angriffe durchzuführen.
Die Fähigkeit, bestimmte Arten von KI-Bots zu erkennen, ist entscheidend, um ihre Auswirkungen auf die Website-Performance und ihr Potenzial für schädliche Aktivitäten zu ermitteln.
Hacktivisten führen Angriffe mit mehreren Vektoren durch
Erfahrene Hacktivisten nutzen Bots, um Angriffe mit mehreren Vektoren auf den Handel durchzuführen. In einem solchen Fall hat eine prominente, dem Iran nahestehende Hacktivisten-Gruppe namens 313 Team KI-gestützte, von Mirai abgeleitete IoT-Botnets (Internet of Things), Browser-Imitation und komplexe DDoS-Angriffe kombiniert, um E-Commerce-APIs anzugreifen.
Das verstärkt den Bedarf an verbesserten Abwehrtechniken, darunter Edge-Ratensteuerung, Überprüfung der IP-Reputation, Edge-Caching (soweit möglich) sowie eine leistungsstarke Bot-Management-Lösung.
Chatbots, Agenten und Token schaffen neue Schwachstellen
Während Handelsunternehmen intelligente Nutzeroberflächen einsetzen, um ihre Services zu optimieren und Workflows zu automatisieren, nutzen Angreifer diese Systeme auf drei Arten aggressiv aus:
- Ausnutzung von KI-Chatbots für Verbraucher: Angreifer nutzen automatisierte Logik-Exploits, um unauffällige Datenextraktionsangriffe durchzuführen, bei denen sie Eingabeparameter systematisch manipulieren, um Chatbots dazu zu bringen, Geschäftsregeln zu überschreiben.
- Manipulation dialogorientierter KI-Agenten: Diese Backend-Modelle verfügen über erhebliche operative Befugnisse und tiefgreifende Integrationen, was sie zu bevorzugten Zielen für Prompt-Injection-Techniken und Jailbreaks macht, um schädliche Aktivitäten durchzuführen.
- Diebstahl von KI-Token: Mithilfe automatisierter Skripte und Bot-Netzwerke leiten Angreifer ihre eigenen Verarbeitungs-Workloads oder Modelltrainingsabfragen an die öffentlich zugänglichen KI-Endpoints eines Einzelhändlers weiter, was massive Infrastrukturkosten verursacht und die Performance beeinträchtigt.
Webangriffe lassen nicht nach
Handelsunternehmen sind unerbittlichen Angriffen sowohl auf Anwendungen als auch auf APIs ausgesetzt: Zwischen 2024 und 2025 wurden mehr als 200 Milliarden Angriffe verzeichnet – damit war diese Branche in diesem Zeitraum am stärksten betroffen.
API-Angriffe stiegen zwischen Q4 2024 und Q4 2025 um 9 %, was verdeutlicht, dass Angreifer APIs zusehends als bevorzugten ersten Einstiegspunkt ausnutzen.
Die komplexe Infrastruktur der Handelsbranche – die stark auf Webanwendungen, APIs und Drittanbietersysteme angewiesen ist – schafft eine Angriffsfläche, die nur schwer zu verteidigen ist. Der Bericht befasst sich eingehend mit spezifischen Schwachstellen, darunter das WordPress-Plugin „Jupiter X Core“ und das WordPress-Plugin „WooCommerce“.
Der Handel ist am stärksten von Layer-7-DDoS-Angriffen betroffen
Unsere Untersuchungen zeigen, dass der Handel die Branche ist, die am stärksten von Layer-7-DDoS-Angriffen betroffen ist. Der Sektor verzeichnete 2025 fast drei Billionen DDoS-Attacken, von denen 31 % auf APIs abzielten – 84 % dieser DDoS-Aktivitäten richteten sich gegen den Einzelhandel.
Einzelhändler sind aufgrund ihres enormen E-Commerce-Umfangs und der steigenden finanziellen Risiken während der Haupt-Shoppingzeiten einem erhöhten DDoS-Risiko ausgesetzt. Ausfälle werden häufig durch DDoS-Angriffe verursacht, bei denen APIs mithilfe von HTTP-Botnets überflutet werden, um Anwendungsserver zu überlasten und legitimen Traffic zu blockieren.
Dieser SOTI-Sicherheitsbericht untersucht auch regionale Trends und zeigt, dass die Region Asien-Pazifik den größten Anstieg bei Layer-7-DDoS-Angriffen verzeichnete: 39 % zwischen 2024 und 2025.
So können sich CISOs im Handel gegen Angriffe verteidigen
Cyberkriminelle nutzen agentische KI, um raffinierte Angriffe wie „Supply-Chain Poisoning“ (Lieferketten-Vergiftung) durchzuführen. Zu den weiteren Taktiken gehören gefälschte Einzelhandelswebsites und manipulierte Anmeldeportale, um Anmeldedaten von Kunden zu stehlen.
Um sich gegen diese Taktiken zu verteidigen, müssen CISOs und SecOps-Teams einen mehrschichtigen Sicherheitsansatz verfolgen:
- Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Umsatzkette, um kritische Systeme und APIs sowie Schatten-APIs zu identifizieren.
- Klassifizieren und kontrollieren Sie die Automatisierung, indem Sie eine umfassende Bot-Strategie implementieren.
- Begrenzen Sie den Auswirkungsradius, indem Sie die Mikrosegmentierung validieren, eine risikobasierte Multi-Faktor-Authentifizierung einrichten und DDoS-Übungen durchführen.
- Stärken Sie die operative Disziplin durch klare Protokolle.
- Binden Sie die Führungsebene ein, um Ziele für „tolerierbaren Betrug“ und Sicherheitskennzahlen zu definieren.
Der Fokus sollte auf Resilienz liegen – und auf dem Aufbau von Handelsumgebungen, die Störungen abfangen, vertrauenswürdige Automatisierung kontrollieren, Betrug eindämmen und das Vertrauen der Kunden auch unter anhaltendem Druck wahren können.
Sind Sie an der ganzen Geschichte interessiert?
Laden Sie den neuen SOTI-Sicherheitsbericht herunter: Schutz agentischer Storefronts: Angriffe auf den Handelssektor.“
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